Kapitel 1: Das Referat und der Schülerjob
(Hinweis: Du gehörst zu den Ersten, die den Anfang von Band 4 lesen. Diese Fassung kann sich bis zur finalen Veröffentlichung noch leicht verändern.)
Die letzte Schulstunde wollte nicht zu Ende gehen. Und dann war das ausgerechnet Deutsch, ein Fach, das Ben am wenigsten mochte. Nur Mathe war noch schlimmer. Als der Lehrer, Herr Schröder, etwas an die Tafel schrieb, schaute Ben aus dem Fenster und ließ seine Gedanken schweifen. Der Hausmeister war gerade dabei, das Laub auf dem Schulhof zusammenzukehren. Die dicken Kastanien rund um die Schule hatten einen Großteil ihrer Blätter verloren. Sie bedeckten an vielen Stellen den asphaltgrauen Boden und ließen ihn gelb, orange und braun erscheinen. Da bohrte sich etwas Unangenehmes in Bens Rippe. Es war der spitze Ellbogen seines Sitznachbarn.
„Mann, was ist denn?“ Mit gedämpfter Stimme stellte Ben Furkan zur Rede.
Als Antwort deutete Furkan mit warnendem Zeigefinger nach vorn zu Herrn Schröder. Schließlich war es nicht das erste Mal, dass Ben dabei erwischt wurde, mit den Gedanken ganz woanders zu sein. Erst jetzt bemerkte er, was Herr Schröder überhaupt an die Tafel geschrieben hatte: „Unsere Referatsthemen im Herbst: Erstes Thema: Halloween“. Es herrschte eine angespannte Stille in der Klasse.
Herr Schröder räusperte sich schließlich. „Nun, hat niemand Lust? Das Referat muss auch nicht lang sein. Ein paar Minuten reichen völlig aus. Und natürlich könnt ihr damit eure mündliche Note verbessern.“
Bei diesen Worten schnellte eine Hand nach oben. Es war Mia, die sich als Einzige nun freiwillig meldete.
„Sehr gut, Mia. Vielen Dank! Also, wie gesagt, es wäre klasse, wenn du uns in der nächsten Stunde etwas zu Halloween erzählen könntest. Woher kommt der Brauch? Und was macht man dabei? Wenn du noch Fragen hast, kannst du mich gern nach der Stunde ansprechen.“
Als wäre das Kopfnicken von Mia das Startsignal gewesen, läutete auch schon die Schulglocke. Nach der Stunde wuselten alle im Klassenraum herum. Mia saß noch an ihrem Platz und verstaute gewissenhaft ihre Hefte und ihr Federmäppchen. Sie bemerkte zunächst nicht, dass Ben und Furkan an ihren Tisch getreten waren, die Rucksäcke lässig über einer Schulter.
„Na, das war ja typisch, dass du dich freiwillig für das Referat meldest“, neckte Furkan.
Mia schaute auf. „Ha, du weißt ganz genau, dass meine chinesischen Eltern nur Einsen akzeptieren. Sei froh, dass deine Eltern nicht so streng sind!“
Es störte sie, dass sie stets als Streberin abgestempelt wurde. Dabei konnte sie doch nichts dafür! Und Furkan wusste genau, welche Knöpfe er bei ihr drücken musste.
„Ach, lass dich doch nicht ärgern! Ehrlich gesagt bin ich ja froh, dass du dich gemeldet hast. Ich hatte schon Angst, dass Herr Schröder mich dafür bestimmt“, sagte Ben.
Furkan bereute sofort seinen Spruch, weil Mia ihn immer noch böse anschaute. „Sorry, war nicht so gemeint. Sollen wir noch was unternehmen? Ich lade dich als Entschuldigung auf ein Eis ein.“
„Bei dem kalten Herbstwetter ein Eis? Du spinnst!“ Zumindest konnte Mia wieder lächeln, und ihr Ärger verflog.
„Vor allem haben wir auch gar keine Zeit. Wir müssen doch alle gleich los zu unseren Schülerjobs“, erinnerte Ben.
„Mist, du hast recht. Ich hatte das verdrängt“, stöhnte Furkan.
„Stimmt, heute ist ja euer erster Tag. Ich kellnere ja nicht das erste Mal bei meinen Eltern im Restaurant“, sagte Mia.
Die drei hatten wegen der zerstörten Flugdrohne noch einiges wiedergutzumachen. Bei ihrem letzten Fall hatten sie sich das Gerät von der Computer-AG der Schule ausgeliehen, doch ein Förster hatte es abgeschossen und es damit zerstört. Inzwischen war mit den AG-Leitern Jonas und Lars und ihren Eltern geklärt worden, dass sie für den Schaden aufkommen würden. Ihre Eltern bestanden allerdings darauf, dass die drei zumindest einen Teil des Geldes selbst verdienten. Deshalb hatten Ben, Mia und Furkan sich Schülerjobs gesucht und von der Schule genügend Zeit bekommen, das Geld zusammenzubekommen.
Auf dem Heimweg dachte Ben an seinen Aushilfsjob. Er hoffte, dass er schnell genug Geld verdienen würde. Dass dieser Job ihn schon am ersten Tag in einen neuen Fall verwickeln würde, konnte er nicht ahnen.
